03.05.2019

National College Championship: Von München nach Alabama

von Marie Menke

Im März 2019 gewannen die Rollstuhl-Basketballerinnen der University of Alabama die US-amerikanischen National College Championships in Illinois. Für Katharina Lang, eine der deutschen Spielerinnen der Mannschaft, ein Sieg, mit dem sie sich nicht zu rechnen getraut hat.

Bis zuletzt blieb das Finale spannend: Sechzehn Sekunden vor Spielende lagen die Spielerinnen aus Alabama mit zwei Punkten zurück. Die Gegnerinnen jubelten bereits. Katharina Lang bekam jedoch noch einmal den Ball, der landete im Korb und es kam zur Verlängerung. „Ich weiß nicht, wie wir das gemacht haben, aber danach war da plötzlich enorm viel Kraft“, erzählt sie im Nachhinein. „Die Pässe waren gut gesetzt, die Auswahl der Würfe hat gestimmt.“ Mit sechs Punkten Vorsprung gewinnt das Team die Meisterschaft. Es ist das erste Mal, dass sowohl die Frauen- als auch die Männermannschaft aus Alabama den Titel nach Hause bringt. Dieses Erlebnis weiß Lang zu schätzen: „Auf dem Spielfeld zu stehen und gemeinsam beide Siege feiern zu können, ist ein unglaubliches Gefühl.“

Schon 2018 standen die Rollstuhl-Basketballerinnen der University of Alabama im Finale der University of Texas at Arlington gegenüber. Gereicht hat es für den Sieg damals nicht. „Ich glaube, wir haben uns in diesem Jahr extrem wohl gefühlt in dieser Underdog-Rolle“, sagt Lang eine Meisterschaft später. Das Jahr über haben sie an dem gearbeitet, was 2018 gefehlt hat: „Auch wenn es weh tat, sich die letztjährige Finalspiel-Niederlage immer wieder anzusehen, aber wir wussten, dass wir nur so unsere Fehler erkennen und daran arbeiten können“. Das hat sich ausgezahlt: In Champaign, einer Universitäts-Stadt im Bundesstaat Illinois nahe Chicago, spielten Lang und ihre Teamkolleginnen im Finale erneut gegen die Spielerinnen aus Texas – und ließen sich nicht unterkriegen.

Für Lang ist es die zweite Saison in den USA: 2017 zog sie nach Alabama, nicht zuletzt um Sport und Studium besser vereinbaren zu können. Als sie zum ersten Mal für die Weihnachtsferien zurück nach Deutschland flog, wäre sie am liebsten Zuhause geblieben. Inzwischen ist an eine Rückkehr nach Deutschland jedoch vorerst nicht mehr zu denken: „Die Zeit und die Erfahrungen hier sind unbezahlbar – und bieten mir aus sportlicher Sicht die besten Möglichkeiten.“ Die fünf Jahre, die jeder Sportler im College-Sport der USA aktiv sein darf, möchte sie auskosten.

Für eine Verschnaufpause bleibt ihr nach der College-Meisterschaft aber wenig Zeit. Die letzten beiden Wochen des Semesters wird sie in der Uni fehlen, um beim Auswahllehrgang der deutschen Nationalmannschaft in Bad Honnef und im Trainingslager auf Lanzarote dabei zu sein, bevor es für die Abschluss-Klausuren noch einmal für 2 Tage zurück in die USA geht. Ist die College-Meisterschaft geschafft, steht die nächste Herausforderung an: für die Nationalmannschaft ausgewählt zu werden und es anschließend mit ihr bei den Europameisterschaften im Juli unter die besten 3 Mannschaften zu schaffen, um damit die Qualifikation für Langs großes Ziel zu schaffen – die Paralympischen Spiele 2020 in Tokio.