31.07.2019

Qualifikation für Paralympics geknackt

von Marie Menke

Die deutsche Nationalmannschaft der Damen im Rollstuhl-Basketball hat bei der Europameisterschaft ihr Ziel erreicht: Sie hat die Qualifikation für die Paralympics 2020 in Tokio geschafft. Auf dem Spielfeld mit dabei war Katharina Lang.

Für Rollstuhlbasketballerin Katharina Lang begann die diesjährige Europameisterschaft in Rotterdam turbulent: Nachdem sie gemeinsam mit Teamkollegin Laura Fürst von München nach Amsterdam geflogen war, kamen die Rollstühle der beiden Spielerinnen nicht am Flughafen an. „In Amsterdam hieß es, die Stühle seien nie eingetroffen. Und in München hieß es, dort seien sie auch nicht“, erzählt Katharina rückblickend. Während sie darüber nachdachte, auf ihren - wenn auch nicht auf sie angepassten - Ersatzstuhl zu wechseln, machten die verloren gegangenen Rollstühle Schlagzeilen: Auch die Sportschau der ARD berichtete. Gerade noch rechtzeitig trafen die beiden Stühle dann doch ein: Am Morgen des Tages, an dem das erste Spiel der deutschen Nationalmannschaft stattfand, waren auch sie endlich in Rotterdam – zum Glück unversehrt.

Die chaotische Anreise spiegelte sich in den Ergebnissen des Teams nicht wider. Sechs Tage später spielten Katharina und ihre Teamkolleginnen im Halbfinale gegen Großbritannien und damit einen der Titelfavoriten. In der Vorrunde hatten die deutschen Spielerinnen gegen die Britinnen einen Sieg mit ganzen dreizehn Punkten Vorsprung erreicht. Im Halbfinale baute das Team Großbritannien jedoch mehr Druck auf: Mit nur einem Punkt Vorsprung zog es an dem deutschen Team vorbei. „Ins Finale zu kommen wäre natürlich traumhaft gewesen“, sagt Katharina. „Dass dann ein einziger Punkt den Unterschied gemacht hat, war bitter.“ Eine Verschnaufpause gab es für die Mannschaft dennoch nicht. Im Spiel um den dritten Platz trat sie gegen Spanien an: „Es war schwer, dann noch um die Bronzemedaille spielen zu müssen, obwohl man ja auch im Finale hätte stehen können“, berichtet Katharina. „Gleichzeitig war das Spiel eine super Möglichkeit, jeder Spielerin nochmal Spielzeit zu verschaffen und Punkte zu machen, wenngleich es uns die Spanierinnen nicht einfach machten.“ Die EM beendete das Team mit einem klaren Sieg gegen Spanien – und damit dem dritten Platz.

Stolz ist Katharina besonders auf den Zusammenhalt des Teams: Die Bemühungen der Kapitäninnen und Trainer, die Mannschaft auch außerhalb des Spielfeldes bei Kartenspielen und Kaffeetrinken näher zusammen zu bringen, haben sich ausgezahlt. „Gegen Holland und Großbritannien hatten wir vorab in der Vorbereitung noch nie gespielt. Somit wussten wir nicht, wo wir stehen und wie stark wir schlussendlich sind“, erinnert sie sich. „Gerade da hat das Team aber zusammengestanden und gekämpft: Egal ob wir verloren oder gewonnen haben, wir haben alles gemeinsam gefeiert und uns gegenseitig unterstützt.“

Für die deutsche Nationalmannschaft bedeutet das Ergebnis aus Rotterdam mehr als nur einen dritten Platz. Es ist zugleich das Ticket für die Paralympischen Spiele 2020: Mindestens den vierten Platz mussten die Spielerinnen schaffen, um in Tokio dabei sein zu dürfen. Für Katharina geht es deshalb nach der Sommerpause zurück in den Süden der USA: „Da habe ich die besten Möglichkeiten, kann unter der Woche jeden Tag trainieren“, sagt sie über ihr Studium in der Kleinstadt Tuscaloosa in Alabama. Im Winter steht dann in Deutschland das Camp an, bei dem die Spielerinnen ausgewählt werden, die für Deutschland nach Tokio fliegen. Katharina blickt dem optimistisch entgegen.